Im Interview: Ziggy Has Ardeur, der Kopf hinter Mix The City Mannheim

Ziggy Has Ardeur ist verantwortlich für die Mannheimer Edition von Mix The City. Gemeinsam mit seinem Projekt Cucuc steuerte er den Titelsong bei, der am Samstag, den 10. September 2016 auf dem Schlossfest in Mannheim bei der offiziellen Präsentation von Mix The City erstmals vorgestellt wird. Vorher haben wir ihn getroffen, um über Mix The City zu sprechen.


MTC:
Hi Ziggy, wie kam es zu deinem Engagement bei Mix The City?
Ziggy Has Ardeur: Als feststand, dass Mannheim sein eigenes „Mix The City“ bekommen würde, haben sich die Initiatoren irgendwie darauf geeinigt, dass ich wohl der Richtige für die Aufgabe wäre. Das ist natürlich eine große Ehre für mich. Mir ist die Stadt in den 12 Jahren, in welchen ich hier als Künstler aktiv bin, wirklich ans Herz gewachsen und ich durfte viele Musiker aus allen Genres kennenlernen und mit ihnen arbeiten. Ich hab hier Tolles erlebt und viel Anerkennung genossen und es war mir immer ein Anliegen, hier etwas mitzubewegen und meinen Teil zur Musikstadt Mannheim beizutragen. Als Songwriter und Produzent habe ich mich mit der Herausforderung, Mannheim auf diese spannende Art und Weise musikalisch und visuell aufzugreifen, wirklich sehr wohl gefühlt.

 

MTC: Gab es einen Kontakt zu Kutiman, dem Initiator des Projekts?
Ziggy Has Ardeur: Kutiman und seine Arbeitsweise waren mir ein Begriff und ich finde das enorm spannend. Mit ihm selbst hatte ich nichts zu tun, aber ich habe einen tollen Tag mit Emmanuel Witzthum vom British Council aus Israel hier in Mannheim verbracht und konnte mich mit ihm über meine ersten Ideen austauschen. Mit ihm und der Produktionsfirma Flying Objects in London, die die Website umgesetzt haben, war ich die letzten Monate im regen Austausch. Alles sehr spannende und tolle Leute.

 

MTC: Wie klingt Mannheim für dich?
Ziggy Has Ardeur: Die Frage, wie Mannheim für mich klingt, habe ich mir selbstverständlich ausführlichst gestellt. Was war nochmal der Mannheimer Seufzer genau? Wer ist die Stimme, welche Harmonien, wie ist der Rhythmus der Stadt? Welche Facetten sind mir wichtig? Ich habe 12 Musiker und Orte ausgewählt und jeweils circa 1 – 1 1/2 Stunden Improvisation aufgenommen und experimentiert. Aus diesen Sessions habe ich aus interessanten Stellen 4-sekündige Loops zusammengeschnippselt, die am Ende gemeinsam einen Sinn ergeben. Jede Kombination sollte seinen eigenen Charme und eine gewisse Stimmung haben. Aus den Aufnahmen habe ich letztlich ein Lied komponiert und produziert. In erster Linie haben mich meine eigenen Erlebnisse in der Stadt, die liebgewonnene Ästhetik und die rauen Seiten, die kulturelle Vielfalt und der Ideenreichtum der Bewohner inspiriert. Mit Mix The City Mannheim durfte ich mir die Frage auch selbst beantworten.

 

MTC: Wie hast du die Künstler ausgewählt?
Ziggy Has Ardeur: Ich hatte schon eine klare Vorstellung davon, was einen „Mix The City“-Protagonisten ausmacht. Die Auswahl passierte dann recht intuitiv. Ich wollte Künstler, die mir das Gefühl vermitteln, dass sie einen besonderen Bezug zu Mannheim haben und in einer funktionierenden Symbiose mit ihr leben. Persönlichkeiten, die mit der Stadt schon etwas zusammengereift sind. Ich wollte einen guten Mix aus Originalen, neuen Akteuren und Historie. Inspirierende Charaktere, die mit ihrem gesamten Schaffen meine ausdrucksstarke Stadt widerspiegeln und verkörpern. Ich freue mich immer noch sehr, dass ich sozusagen mein Traum-Dutzend davon überzeugen konnte, mitzumachen. Wobei es natürlich noch viele, viele Andere zur Auswahl gegeben hätte.

 

MTC: Wie hast du die Locations ausgewählt?
Ziggy Has Ardeur: Ich habe zum einen Teil Orte ausgewählt, die momentan in einer spannenden Entwicklung sind, wie beispielsweise die Trinitatiskirche, die nun nach Jahren des Leerstands zu einer Tanzschule wird oder das Franklin Village. Die von Frei Otto entworfene Multihalle im Herzogenriedpark, die einer der heimlichen architektonischen Schätze Mannheims ist, aber über deren Abriss gerade diskutiert wird. Einige Protagonisten sind in ihrem eigenen Umfeld, welches aber an sich schon mit ein Grund war, warum ich mit ihnen arbeiten wollte. Wie beispielsweise Emiliano Trujillo, den ich genau an dieser Stelle das erste Mal traf und er mir erzählte, dass er seine indischen Instrumente am Liebsten im Keller des Alten Volksbad spielt. Mehmet Ungan in der von ihm gegründeten Orientalischen Musikakademie Mannheim. Dann gibt es auch historische Zusammenhänge. Dirk Mantei aka Dman, welcher in den 90ern mit dem Milk! Club einen der bundesweit relevantesten Elekro-Clubs gegründet und geführt hat, wurde im Peer23 aufgenommen. Das ist ein Ort, der für mich momentan hier in Sachen Elektronica relevant ist.

 

MTC: Wann war dir klar, welche Locations sich am besten für das Projekt eignen?
Ziggy Has Ardeur: Immer dann, wenn’s klar war, dass ich die Location bekomme. Von den meisten Locations wusste ich aus Erfahrung, dass sie klanglich und optisch etwas eigensinniges zu bieten haben. Von anderen hatte ich schon sehr früh ein stimmiges Bild mit dem jeweiligen Musiker vor Augen, wie bei Laura Carbone. Sie war selbst ziemlich happy mit dem Ort, da sie schon immer mal in einer Kirche spielen wollte. Natürlich durften auch ein paar klassische Sightseeings nicht fehlen, die etwas ungewöhnlicher inszeniert wurden. Die eingespielte Zusammenarbeit mit meinem Kompagnon Donni Schoenemond von Gallion Filmproduktion bei den Drehs und dem Schnitt war für mich natürlich enorm hilfreich. Wir machen seit 12 Jahren gemeinsam Musik und produzieren Sachen. Das schafft eine Menge Platz im Kopf und spart viel Diskussion und Organisation und man konnte sich viel intensiver um den Inhalt kümmern. Irgendwie war klar, dass wir mit unserer Band CUCUC auch etwas beitragen und für einen Dreh vor der Kamera standen.

 

MTC: Wie verliefen die Drehs?
Ziggy Has Ardeur: Jeder Dreh war außergewöhnlich und inspirierend. Ich hab eine Menge Wert darauf gelegt, dass die Sessions etwas Magisches haben und wir die Stimmung und den Sound, die der jeweilige Musiker und sein Instrument an Ort und Stelle hervorrufen, einfangen können. Die Situation an sich ist für jeden Musiker etwas ziemlich Intimes. „Das ist das Tempo und das ist die Tonart – jetzt improvisier doch erstmal und dann probieren wir noch ein bisschen was aus. Versuch doch bitte auch noch enorm cool dabei auszusehen, weil die Kameras laufen und lass dich nicht von dem bellenden Hund stören.“ Ich habe bei den Drehs schon ein bisschen dirigiert, aber nicht viel vorbereitet oder vorgegeben. Die meiste Zeit waren wir glückselige Besucher von 12 ganz einzigartigen, im Moment entstandenen Konzerten. Die größte Herausforderung war es jedenfalls, aus den Stunden an Material auszuwählen und zu basteln.

 

MTC: Gab es eine Situation, einen Moment während des Projekts, der dir im Kopf geblieben ist?
Ziggy Has Ardeur: Es gab so tolle Momente. Mit Kosho an der Silberpappel, halb im Rhein versunken, aufzunehmen und zu merken, dass die Wellen im Takt sind. Oder als Duo Resonanz mit ihren improvisierten Percussions, rhythmisch auf die Bühnenarbeiter des Maifeld Derby Festival im Hintergrund eingegangen sind. Oder den eindringlichen Klang, als die Twiolins mit ihren Violinen durch das Innere des Wasserturms hallten. Außerdem kam es immer zu interessanten Gesprächen. Ich habe bei jeder Session eine Menge über Musik gelernt.

 

MTC: Wo wirst du am Tag der Präsentation sein?
Ziggy Has Ardeur: Am Tag der Präsentation werde ich am Schlossfest gemeinsam mit Donni eine Performance mit den Samples und anderem Material aus den Aufnahmen aufführen. Danach kann man vor Ort selbst remixen. Mit CUCUC spielen wir danach noch unser normales Set live in der Schlosskirche (21.15 Uhr und 23.15 Uhr). Ich freue mich schon sehr auf die Premiere am 10.09. und bin gespannt, wie ihr danach euren Mannheim Sound auf www.mixthecity.com kombiniert.

Ziggy, vielen Dank für deine Zeit!

 

Mehr Infos, Bilder und Musik von Ziggy Has Ardeur und CUCUC findet Ihr auf YouTube und Soundcloud.

 

Photo by Arthur Bauer: www.artembur.com